Vielleicht muss ich gar nicht alles alleine machen?

Ein Einleitungstext zum Thema Fürsorge von Sigi

Soundtrack zum Text: Lampe: Immer muss ich alles alleine machen.

Vor kurzem war ich eine Woche im Krankenhaus. Es war nicht geplant, sondern ein Notfall. Das Krankenhaus ist ein riesiges Uniklinikum mit 1600 Betten und vielen Fachabteilungen. In diesem riesigen Komplex teilte ich mir für eine Woche mit zwei weiteren Frauen ein Dreierzimmer. Vor die Tür zu gehen, war für beide Frauen unmöglich – eine konnte nicht einmal das Bett verlassen. Nur wenige Meter voneinander entfernt liegend, bekamen wir jede Hilflosigkeit voneinander mit. Auf dieser voll und dicht belegten Station waren gefühlt alle schlimmer dran als ich.

Im Bett herumdümpelnd denke ich über den „Pflegenotstand“ in Deutschland nach. Alleine in der Altenpflege fehlen über 150.000 Fachkräfte.1 Als Gründe werden die schlechten Arbeitsbedingungen und eine zu geringe Entlohnung angeführt, die hohe emotionale und psychische Belastung und der Umstand, dass viele Menschen in Teilzeit arbeiten, statt in Vollzeit. Dies sind alles wichtige Begründungen – ich möchte sie ausdrücklich nicht relativieren. In einem kapitalistischen System sind Sorgetätigkeiten zu gering bezahlt. Arbeitnehmer*innen verdienen im Pflegebereich in Deutschland real 17% weniger als in anderen Sektoren.2 Die Arbeitsbedingungen sind de facto extrem herausfordernd. Die Auswirkungen der tayloristischen3 Arbeitszeitverdichtung und ihre Trennung der Tätigen von ihrem Arbeitsprozess als Ganzem, wirkt auch in die pflegenden Berufe hinein: während ich über diese Gegebenheiten nachdenke, kommt die Schwarze4 Reinigungskraft in unser Zimmer. Auf meine Frage hin antwortet sie mir auf englisch, dass sie für die Reinigungen jedes Krankenzimmers täglich nicht länger als 7 Minuten benötigen darf. Diese umfasst das Leeren der unterschiedlichen Mülleimer, das nasse Wischen des Zimmers und die Reinigung von WC und Badezimmer.5 Schnell lasse ich sie in Ruhe, damit ich ihr nicht zu viel von ihrer wenigen Zeit für das Gespräch mit mir wegnehme.

Ich denke an meine Freundin, die in der mobilen Altenpflege arbeitet. Dort ist jede Dienstleistung – das Anziehen der Stützstrümpfe, das Spritzen von Insulin oder das Waschen der Person – mit einem engen Zeitbudget versehen, das bei Ausdehnung nicht mehr finanziell gedeckt ist. Die mobile Pflege umfasst schlicht nur die professionellen Pflegetätigkeiten. Menschliche Zwischenfälle oder echter Kontakt ist zeitlich nicht vorgesehen.6 Dieser soll von anderen Menschen geleistet werden und ist arbeitsteilig von der Pflege abgetrennt. Es ist einfach monetär günstiger, wenn die höher eingruppierte Pflegekraft nicht den „billigeren“ normalen Kontakt übernimmt. Letzterer ist ja eventuell sogar unentgeltlich von Angehörigen möglich.

Vielleicht magst du hier kurz eine Pause machen. Wie geht es dir, wenn du meine Beschreibungen liest? Kannst du eine Reaktion in deinem Körper spüren? Tauchen Momente in deiner Erinnerung auf, in welchen du dich gut versorgt gefühlt hast in unserem Gesundheitssystem und dankbar warst dafür, dass es in dieser Qualität für dich zugänglich ist? Erinnerst du dich an Momente, in denen du dich alleine gefühlt hast, weil niemand wirklich da war, um dir etwas zu erklären oder dich als ganzen Menschen anzuschauen? Nimm noch einen tiefen Atmenzug.

Ich kann die systeminternen Begründungen für den Pflegenotstand und seine Auswirkungen nachvollziehen. Den Knackpunkt sehe ich jedoch an einer grundsätzlicheren Stelle: in einem geldlogischen System, unter Marktbedingungen, sind all diese Phänomene vorprogrammiert.7 Innerhalb dessen muss jede Interaktion, die geldlogisch organisiert ist, profitorientiert sein. Sonst geht schlicht irgendjemand oder irgendetwas pleite. Weil das so ist und Menschen ja auch für die Arbeitswelt möglichst lange zur Verfügung stehen sollen, greift der Staat regulierend ein. Er subventioniert einen Teil der Fürsorge um dies aufzufangen.8 Dadurch werden Fürsorgeeinrichtungen möglich und – in der Regel – auf Kante genäht.9 Weil Fürsorge keinen monetären Mehrwert erzielt und dies mit der Wachstumslogik crasht. Fürsorge KANN innerhalb von Kapitalismus gar nicht bestens entlohnt werden und über gute Arbeitsbedingungen verfügen, weil der Fehler schon im System angelegt ist.

Strukturelle Diskriminierung ist einmal mehr Buddy für die Würdelosigkeit des geldlogischen Systems: 70% der Beschäftigten in Sorgeberufen sind Frauen*10, zwischen 20% und 30% der Beschäftigten im Gesundheitswesen sind zugewanderte Personen11.Das hat sich niemand gezielt ausgedacht und doch ist es kein Zufall. Es hat mit Patriarchat und Kolonialismus/Rassismus zu tun. Im rassifizierten Patriarchat steht Weiße12, hegemoniale Männlichkeit13, ganz oben in der Hierarchie. Sie zeichnet sich durch Erfolg, Durchsetzungskraft, Funktionalität und Emotionshemmung aus. Hingegen werten Fürsorge, Liebe oder Weich-Sein Männer in ihrer Männlichkeit ab, weil es gesellschaftlich konstruierter Weiblichkeit zu nahe kommt. In der Verschränkung mit Kolonialismus/Rassismus sind auch Schwarze Männer* automatisch gegenüber Weißer Männlichkeit abgewertet. Dass also fürsorgende Berufe vorwiegend von Frauen* oder Schwarzen Personen ausgeübt werden, hat etwas mit den vorherrschenden Machtstrukturen zu tun und nicht mit Herkunft oder Intelligenz.14 Sie führen zu fragmentarischen Trennungen innerhalb unserer Gesellschaft und innerhalb von Menschen.15

Checke kurz mit dir selbst ein. Wie fühlt sich dein Körper an, wenn ich hier die Themen Frau*-, Mann*- Nicht-binär-, Schwarz– und Weiß-Sein berühre. Ist da Taubheit in dir oder ein bestimmtes Gefühl? Nimmst du Widerstand von einer bestimmten Stelle wahr? Lass ihn einfach da sein und beobachte, von welcher Stelle aus er sich meldet. Vielleicht gelingt es dir sogar Mitgefühl mit dir selbst zu haben, dass du in eine Welt geboren wurdest, die mit diesen Kategorien und verbundener Macht durchzogen ist?

Während die Schwarze Reinigungskraft unser Zimmer schon längst wieder verlassen hat, denke ich noch über die räumlichen Trennungen in unserer Gesellschaft nach, die durch vorherrschende Machtstrukturen sich in Städteplanung einschleichen.Die vorherrschenden Machtstrukturen führen auch zu einer räumlichen Trennung. Weil Kinder, Menschen, die behindert werden, sowie Pflegebedürftige in der gesellschaftlichen Hierarchie eher unten angesiedelt sind, befinden sich Sandkasten, das Altenpflegeheim oder die Arbeitsstelle der behinderten Person nicht im Mischgebiet mit Banken, Regierungsviertel, Firmenzentrale und Fitnessstudio. Zwar wird beispielsweise bei der Neuplanung von Altenheimen überlegt, wie Kontakt mit Lebendigkeit hergestellt werden kann. Dies bedeutet aber in der Regel, sie mit anderen Fürsorgeeinrichtungen zu kombinieren, wie Kindergarten oder Schulen. Krankenhäuser werden sogar als hochsterile Sicherheitszonen entwickelt. Sie werden auf großen Flächen an der Peripherie mit hochkomplexer Gebäudetechnik getrennt von ihrer Umgebung geplant.16 Die Menschen, die mit Fürsorgetätigkeiten einen großen Teil ihrer Zeit verbringen, befinden sich mit den zu Versorgenden räumlich und sozial vom Zentrum gesellschaftlichen Lebens abgetrennt. Wie anders würde wohl eine Stadt aussehen, wenn Fürsorgebeziehungen Zentrum unserer gesellschaftlichen Aufmerksamkeit und Wertschätzung wären?

Wie du vielleicht schon gemerkt hast, liege ich kapitalismus- und rassismuskritisch sowie queer-feministisch vorgebildet auf Station 75 herum. Ich gehe davon aus, dass die Situation der Pflegekräfte hier, wie anderswo prekär ist. Ich habe schon mal alle Empathie für sie zusammengekratzt, für den Stress, für alles, was nicht klappen wird. Und dann begegne ich echten Menschen. Das meine ich nicht ironisch. Ich begegne Menschen, die zugewandt sind. Die Krankenpfleger*innen fragen jeden Morgen und Abend fragen, ob ich noch etwas brauche, damit es mir gut geht. Sie übergehen mich nicht, nur weil ich vordergründig ganz aufgeräumt wirke. Sie nehmen sich Zeit, ihr Wissen zu meiner neuen Krankheit mit mir teilen, um mich schulen. Überhaupt unterstützen die meisten von ihnen die Patient*innen in ihren krisenhaften Situationen mit Humor. Meine Zimmernachbarinnen mit ihren beängstigenden Diagnosen sind auf Hilfe angewiesen und schämen sich immer wieder, diese anzunehmen. Ich bewundere die Pflegekräfte, wie sie ihnen gekonnt die Scham nehmen. Mit viel Erfahrung und Fertigkeit versuchen sie Leichtigkeit in unseren Alltag zu bringen, die Stimmung hochzuhalten, reißen Witze. Einmal sagt eine Krankenpflegerin auch „Jetzt trink ich erst mal einen Kaffee. Nebenan wartet ein Mann, der schreit mich immer an. Das schaffe ich ohne Kaffee nicht. Nach der Pause nehme ich mir den zur Brust.“ Ich bin froh, Zeichen von Selbstschutz zu erkennen.

Ich will die Situation nicht schönreden. Wahrscheinlich hat Station 75 eine gute Leitung, die sich innerhalb der gegebenen Rahmenbedingungen für das Maximum an guten Arbeitsbedingungen einsetzt. Vielleicht ist auch einfach ein bisschen Glück dabei gewesen oder ich habe zu wenig Einblick. Und doch glaube ich, gibt es etwas Wichtiges, was sich aus dieser Beobachtung mitnehmen lässt: Fürsorge ist nicht gänzlich verwertbar. Auch wenn Menschen ihre pflegenden Tätigkeiten äquivalent gegen Geld tauschen (ein Lohnverhältnis in der Pflege), wird die Tätigkeit an sich nicht alleinig durch dieses Verhältnis bestimmt. Es ist nahezu unmöglich, Fürsorgetätigkeiten rein mechanisch herunterzureißen – weil echte Menschen das Gegenüber sind. Weil ein Teil von uns in Bezogenheit geht, mitfühlt, Bedürfnisse befriedigen will. Natürlich mal mehr, mal weniger und abhängig von den eigenen Kapazitäten. Und doch richtet sich unser inneres System darauf aus, weil wir in der Bezogenheit – durch die Berührung mit dem Anderen – uns selbst erst erfahren können.17 Kapitalismus nutzt dies aus. Ihm zugehörig ist zwar die Erzählung der getrennten Individuen, die sich um das Schmieden ihres eigenen Glücks kümmern, doch sein systematisches Verwerten von Mensch und Mitwelt zu Gunsten von Profiten für einige, basiert darauf, dass Menschen für andere(s) fürsorgen, und diese dann am nächsten Tag wieder Kapitalismus machen können. Und so geben die Pflegenden in der Regel mehr von sich, als sie es beispielsweise tun würden, wenn sie eine Maschine bedienten18. Wahrscheinlich werden ihre Kapazitäten mitfühlend zu sein auch Schaden nehmen durch die Dauerbelastung und die rationalisierenden Rahmenbedingungen.19 Und dennoch werden sie vieles versuchen, um Patient*innen nicht in ihrem eigenen Kot liegen zu lassen, um zu verhindern, dass fünf Kinder ein anderes verprügeln, um eine Schwangere nicht über Stunden im Kreißsaal alleine zu lassen, um auch der letzten Person in der Tour ihr Essen auf Rädern vorbeizubringen – selbst wenn die Arbeitszeit um ist. Sie verdichten ihre Zeit, tun mehreres gleichzeitig, machen Überstunden – bis sie selbst oder das System zusammenbrechen.20 Weil sie alle mit-fühlende, bezogene Wesen sind. Entgegen der Geschichte der Trennung.

Wenn die Krankenpfleger*in von Station 75, die Erzieher*in im städtischen Kindergarten, die Psychotherapeut*in, die Onkolog*in, die Heilerziehungspfleger*in oder die Sterbegeleiter*in nach Dienstende nach Hause gehen, beginnt für viele von ihnen die zweite Schicht des Tages: die nebulösere, unbezahlte Fürsorgetätigkeit.21 Auch diese ist ungleich verteilt – in Deutschland wird sie zu 60% von Frauen übernommen. Das sind durchschnittlich 10 Stunden mehr unbezahlte Sorgearbeit pro Woche pro Frau*.22 Noch bis in die 1980er Jahre war diese sogenannte „Hausarbeit“ grundsätzlich den Frauen* zugeordnet, was in heterosexuellen Beziehungen gleichzeitig die finanzielle Abhängigkeit von Ehemännern festigte. In einem System, in dem Geldgebrauch in wirtschaftlichen Interaktionen dominant ist, wiegt diese Abhängigkeit kurzfristig schwerer, als die Abhängigkeit von der überwiegend von Frauen* geleisteten Fürsorge, ohne die jede Gesellschaft zusammenbricht. Neoliberale Narrative brachten in den 1990er Jahren eine Veränderung dieser Aufteilung in tendenziell männliche*, bezahlte und tendenziell weibliche*, unbezahlte Arbeit. Durch die Zuspitzung des Narrativs der Trennung wird immer mehr davon ausgegangen, dass jeder Mensch, egal welchen Geschlecht, selbst für sein finanzielles Auskommen verantwortlich ist. Dies verringert zwar vordergründig Abhängigkeiten innerhalb heteronormativer Beziehungen, löst systematische Ungleichheiten jedoch nicht auf.23 Unter anderem gilt diese individuelle Verantwortung unabhängig davon, wer wie viele Kinder gebärt und begleitet, Ältere pflegt oder schlicht für Menschen sorgt, die dauerhaft oder vorübergehend nicht verwertbar sind.

Während ich darüber nachdenke und mich über diese strukturellen Ungerechtigkeiten empöre beginnt meine Bettnachbarin zu weinen. Sie ist noch keine 30 Jahre alt und hat soeben erfahren, dass sie in Zukunft dreimal pro Woche zur Dialyse fahren muss, um lebensfähig zu sein und auch keine Kinder wird bekommen können. Wir sind hier eine Weile mit ihr, und stellen uns gemeinsam ihrer neuen Lebensrealität. Ja, Fürsorge beinhaltet auch die emotionale-somatische Ebene.

Ich gebe „emotionale Fürsorge“ in eine Suchmaschine ein. Ich bin verblüfft, dass sich auf den ersten Ergebnisseiten kein einziger Post mit kollektiver emotionaler Fürsorge beschäftigt. Es geht allein um Selbstfürsorge. Auch hier legt uns Trennungslogik nahe, anderen nicht zur Last zu fallen, ihnen nichts „schuldig“ zu bleiben. Und gleichzeitig gibt es die Erwartung, dass ich mich selbst optimiere, indem ich meinen übervollen Kalender so in den Griff bekomme, dass einmal die Woche doch bitte Quality-me-Time drin ist und damit auch die Selbstfürsorge abgehakt wird. Statt einer grundsätzlichen fürsorglichen Haltung mir selbst gegenüber, die auch im Kollektiven mitverhandelt wird, trennen wir sie ab in einem Slot unseres Wochenplans. Dabei beginnt auch emotionale Fürsorge bei Geburt und endet mit dem letzten Atemzug.24 Von der Wiege bis zur Bahre begleiten mich andere Menschen mitfühlend.25 Sonst wäre ich nicht lebensfähig.26 Mir ist klar, dass wir diese Fürsorge je nach den Erfahrungen, die wir gemacht haben sowohl als abwesend, zugewandt oder überwältigend empfinden. Wahrscheinlich würden die Meisten von uns sagen, dass sie in ihrem Leben nicht ausreichend emotionale Fürsorge von präsenten Gegenüber erfahren haben. Ich kene da bei vielen von uns auch Schmerz oder Trauer.

Vielleicht ist es Zeit wieder einen Moment inne zu halten und in dich hinein zu horchen. Wie erinnerst du emotionale Fürsorge in deiner Herkunftsfamilie? Taucht Freude, Schmerz, Dankbarkeit oder Wut auf?

Welche Situationen erinnerst du, in denen dir jemand im entscheidenden Moment tiefes Mitgefühl entgegengebracht hat? Hat sich dadurch etwas zwischen euch oder in der Situation geändert? Wie hat sich dein Innenraum angefühlt? Taucht in dir vielleicht Dankbarkeit einer bestimmten Person gegenüber auf? Vielleicht magst du eine Pause machen und sie dieser Person gegenüber ausdrücken.

Fürsorge ist für mich einer der Schlüsselbegriffe, wenn ich mir gutes Leben für alle(s) vorstelle. Er ist tief in der queer-feministischen Debatte verankert, trifft pfeilgerade ins Herz der Frage nach einer bedürfnisorientierten Ökonomie und öffnet den Blick für ein mögliches freudvolles Zusammenleben mit unseren mehr-als-menschlichen Mitwesen.

Bevor ich dir von Menschen erzähle, die bereits gelungene Fürsorge(systeme) in Bezogenheit leben, mag ich dich einladen in dir selbst zu lauschen. Welche Bilder tauchen auf, wenn du dir die beste aller Welten ausmalst? Wie würde Fürsorge dort aussehen? Die Fürsorge für Kinder, Jugendliche, Gewässer, kranke Menschen, junge Eltern, Pflanzen und Böden, alte Menschen, Tiere, die Atmosphäre oder überforderte Menschen?

In meiner Utopie ist es so: Sie beginnt mit einer riesigen Entrümpelungsaktion. Stellen wir gesamtgesellschaftlich Fürsorge ins Zentrum unserer Ökonomie, fällt ganz viel weg: alles, was nur des Profits wegen getan wird, um Menschen den Zugriff auf Dinge und Orte zu verwehren oder krank bzw. abhängig zu halten. All das landet auf dem Kompost der Geschichte und kann genüsslich verdaut werden. Die Trennung in produktive und reproduktive Tätigkeiten im heutigen Verständnis ist damit obsolet. Fürsorge – die heutigen reproduktiven Tätigkeiten – umfasst dann eigentlich alles, was so übrig bleibt: das Versorgen von Menschen oder gemeinsam genutzter Infrastruktur, das Pflegnutzen unserer Mitwelt27, das Herstellen von Dingen, die wir dafür brauchen, Muße, Spielen und Vergnügen. Sie alle versorgen zentrale Bedürfnisse für ein fried- und freudvolles Zusammenleben. Auf Augenhöhe versteht sich!

Wenn ich das zu Ende fühldenke, kann ich wahrnehmen, wie sich alles verändern würde. Hinter meiner Utopie steht eine andere Ontologie, eine andere Weltsicht als die westlich-moderne, die derzeit viele Bereiche unseres Lebens dominiert.28 Diese Weltsicht zieht sich durch alles hindurch: Beziehungen zueinander und zur Welt, „Produktion“ und „Konsum“, wie wir unsere Zeit verbringen, welche Bedeutung Zeit hat, Krankheiten, Leistung, Städtebau und immer so weiter. Nun, ich sehe ein, dass der von mir angedachte Entrümpelungstermin noch nicht im Weltkalender steht. Und doch ist das nicht alles neu.29 Vieles wird bereits gelebt, auch unter schwierigen Voraussetzungen.

Von einzelnen Menschen, wie jenen, die ich auf Station 75 kennengelernt habe. Von dir und mir – abhängig davon, was die Rahmenbedingungen so zulassen. Wenn Fürsorge auf Mitgefühl beruht, muss ich zuerst einmal in der Lage sein, mitfühlen zu können. Und das ist unter Stress und Zeitdruck gar nicht so einfach. (Selbst-)Mitgefühl braucht Zeit und Raum. Deshalb gelingt uns das nur anteilig und manchmal gar nicht unter unwirtlichen Bedingungen. Dennoch findet es statt. Mitgefühl ist etwas, was wir jeden Tag üben können, auch wenn wir gerade keine Verbündeten haben.

Neben der Qualität von Fürsorge, die immer mal wieder auf- und abtaucht, gibt es auch Menschen, die bereits Strukturen geschaffen haben, innerhalb derer Fürsorge und Mitgefühl begünstigt und Profitorientierung behindert werden. Die einen Raum schaffen, in dem Bezogenheit den Vorzug vor der Trennung bekommt. Diese Räume sind ein wichtiger weiterer Schritt, denn ein Leben in Bezogenheit über die eigenen vier Wände hinaus, kann ja mittelfristig nur stattfinden, wenn wir bei allem, was wir tun, Bedürfnisse voneinander miteinbeziehen. Ein Baustein für gesellschaftliche Lösungen, könnte ein computergestütztes Abfragen und Matchen von Bedarfen sein.30 Und doch braucht es vor Ort mehr. Innerhalb dieser Strukturen kann (innerer) Raum geschaffen werden und die Fähigkeit eingeübt werden, Bedürfnisse wahrzunehmen, auszusprechen und mit der Scham umzugehen, die damit oft einher geht. Suchend können wir eine Schwarmintelligenz entwickeln, die Bedürfnisse anderer hört und kollektiv befriedigt, meinen eigenen Beitrag darin erkennen lässt, ohne mich persönlich für alles verantwortlich zu fühlen und ohne mich gar nicht verantwortlich zu fühlen. Dafür brauchen wir diese Bezogenheit, in der ich und du (oder der Buchfink) gleichzeitig vorkommen. So dass insgesamt für alle(s) gesorgt ist.

Auf dem Weg dorthin gibt es viele Meilensteine, Rast- und Spielplätze, sowie Leuchttürme.

Einer der größten Leuchttürme ist der Kooperativenverbund Cecosesola in Venezuela, der 2022 den Right Livelihood Award gewonnen hat. Es handelt sich um ein Netzwerk an 50 Kooperativen, die gemeinsam 700.000 Menschen mit Lebensmitteln versorgen, für 31.000 Familien Bestattungen ausrichten, 220.000 Menschen jährlich gesundheitlich versorgen, ein Transportsystem zur Verfügung stellen, Geburtshilfe und vieles mehr.31 Markt und Profit werden dabei so gut es geht beiseite gelassen. Stattdessen wird alles bedürfnisorientiert organisiert und Beziehungen werden in den Mittelpunkt gestellt: „Wir versuchen […] das Wohlbefinden zu fördern, das sich herausbildet, sobald wir […] Herrschaftsbeziehungen abbauen und sie durch andere ersetzen, nämlich durch harmonische Beziehungen, die von Vertrauen, gegenseitiger Unterstützung, Empathie und gefühlter Solidarität geprägt sind.“32 Gustavo Salas ergänzt: „Vertrauen lässt sich übrigens unendlich ausbauen. Deswegen sagen wir auch, dass unser Prozess grenzenlos ist. Wir zeigen, dass es möglich ist, sich anders zueinander in Beziehung zu setzen.“33 Diese anderen Beziehungen entstehen nicht von alleine, sondern werden täglich praktiziert und eingeübt. Viele Angestellte bei Cecosesola rotieren ihre Tätigkeiten, je nach Vorlieben und Notwendigkeit. „Wenn wir rotieren, treten wir immer wieder neuen Menschen gegenüber, und das entspricht unserer Kultur des persönlichen Kontakts. Dort, wo wir gerade tätig sind, werden diese Kontakte gelebt, nicht nur in den Versammlungen. Das ist alles andere als abstrakt. Es ist sehr konkret. Wir berühren den Anderen – im Wortsinne.“34

1967 begann alles mit einem Bestattungsinstitut als Reaktion auf die schiere Not vieler Familien, die sich einen privatwirtschaftlichen Bestattungsdienst nicht leisten konnten und dennoch den Bedarf hatten, Angehörigen in einer würdevolle Trauerfeier zu verabschieden.35 Seither wurden immer mehr Bedürfnisse durch Kooperativen versorgt – auf Basis einer sich ausbreitenden Kultur kollektiven Respekts und Vertrauens. So werden bei Cecosesola wöchentlich 600 Tonnen Gemüse und Früchte produziert und auf die Märkte gebracht. Wie bei einer solidarischen Landwirtschaft werden alle Landwirt*innen gefragt, welche Geldbedarfe sie haben, um ökologische Lebensmittel für Cecosesola produzieren zu können. Sind die Bedarfe aller Landwirt*innen ermittelt, werden diese addiert und durch die Kilos an produzierten Lebensmittel dividiert. So entsteht der Einheitskilopreis für alles Obst und Gemüse auf den 20 Wochenmärkten Barquisimetos. Er liegt deutlich unter den Preisen anderer Märkte.36

Als im März 2019 für 5 Tage der Strom ausfiel, eine Mehrheit der Bevölkerung ohne Bargeld war und nun auch keine Möglichkeit mehr hatte, Kreditkarten zu benutzen, blieben fast alle Geschäfte aus Angst vor Plünderungen geschlossen. Die Märkte von Cecosesola hingegen blieben geöffnet, um die Bevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen – für viele die einzige Möglichkeit um an Essen zu kommen. Cecosesola setzte auf Vertrauen und langfristige Beziehungen und reichte über 100 Tonnen Gemüse ohne Bezahlung über den Tisch und ließ dafür Anschreiben.37

Amador ist eines der lebensälteren Mitglieder bei Cecosesola. In Deutschland wäre er bereits Rentner. Doch bei Cecosesola gibt es keine Rente. Alle bekommen bis ans Lebensende ihr Gehalt und bringen sich mit ihren Möglichkeiten und dem, was ihnen Freude macht, ein. Sie bleiben weiterhin im Zentrum der Gemeinschaft. Amador sitzt bei den Wochenmärkten leicht erhöht auf dem Parkplatz und sorgt für dessen Sicherheit. Mitten im Geschehen erfährt er Anerkennung und kann etwas beitragen. Als Amador stirbt, umringen zahlreiche Mitglieder von Cecosesola sein Sterbebett. Sie geben ihm und seiner Kernfamilie emotionalen Rückhalt. Für Amadors Beerdingung sorgt das kollektive Beerdigungsinstitut, bezahlt von der Gemeinschaft.38

Ein Beispiel, welches kurzfristig mit nur kleinem Strukturaufbau anverwandelt werden kann, habe ich selbst 2023 erlebt. Eine Freundin, nennen wir sie Daria, befand sich in einer verzweifelten Lebenslage und rief mich eines Tages an. Meine Frage, ob sie suizidal sei, bejahte Daria. Gemeinsam überlegten wir, mit welchen Personen aus unserem gemeinsamen Bekanntenkreis sie sich sicher genug fühlte, um von ihnen emotional versorgt zu werden. Wir wohnten alle über Deutschland verstreut. So rief ich alle an und versammelte sie gemeinsam mit Daria zu einem Videocall. Dort verabredeten wir eine Rund-um-die-Uhr-Telefonbereitschaft für Daria. In einem Onlinekalender trugen wir alle unsere Bereitschaftszeiten ein. Wir achteten darauf, dass alle Zeiten abgedeckt waren und kein zu kleinteiliger Wechsel stattfand. Unsere Vereinbarung war, dass Daria sofort die Person in Bereitschaft anrufen würde, sobald sie in eine emotional kritische Situation käme und wir dann gemeinsam da sein würden. Wir anderen versprachen, zu unseren Bereitschaftszeiten rund um die Uhr telefonisch erreichbar zu sein und gleichzeitig in allen anderen Zeiträumen, die Verantwortung loszulassen. Nach etwa 10 Tagen meldete uns Daria zurück, dass sie sich wieder stabil genug fühle, um ohne feste Bereitschaftsperson zu sein. Sie hatte nur zwei oder dreimal die Möglichkeit genutzt. Aber die Gewissheit, dass wir alle für sie da sind, gab ihr ausreichend Kraft, um die Zeit gut zu überstehen. Mich hat diese Zeit sehr bereichert. Es gibt mir Hoffnung, dass wir füreinander da sein können, ohne uns jeweils zu überfordern.

Inzwischen hat Daria entschieden, sich ein dauerhaftes, persönliches support-system nach den Vorschlägen Dominic Barters39 aufzubauen. Er ist Begründer der Restorative Justice und sensibilisiert dafür, dass wir ein starkes Unterstützungssystem benötigen, um in einer Welt voller gewaltgeprägter Strukturen wie Diskriminierung und wirtschaftlicher Unterdrückung selbst möglichst friedfertig zu handeln. In Momenten, in denen wir selbst Gewalt, Frustration oder Überforderung erleben, sind gewaltvolle Reaktionen naheliegend. Wenn wir jedoch wissen, dass wir später Unterstützung erhalten von Menschen, die uns einen geschützten Raum bieten, in dem wir mit unserer emotionalen Überforderung umgehen können, wird es leichter, eine gewaltarme Reaktion zu wählen. Im Umkehrschluss geht Barter davon aus, dass wenn ich beispielsweise gegenüber meinen Kindern gewalttätig (abwertend, vernachlässigend, etc.) werde, mein Unterstützungssystem in diesem Bereich einfach noch nicht ausreicht. Wenn jeder Mensch einige Personen in seinem Umfeld darum bittet, Teil des persönlichen Unterstützungssystems zu sein, wären wir alle in ein Netzwerk gegenseitiger emotionaler Fürsorge eingebunden. Unsere Nervensystem können dort von- und miteinander lernen in der Überforderung nicht allein zu bleiben. Etwas Ähnliches, weniger auf einzelne Personen fokussiert, findet in den 2019 entstandenen Kollapscafés statt. Sie wurden gegründet, um Räume zu schaffen, in denen Menschen aus einer Nachbarschaft sich gegenseitig bei der Verarbeitung von emotionaler Überwältigung unterstützen, die das Wissen um die unaufhaltsame Klimakrise und ihre nachgelagerten gesellschaftlichen Krisen in uns auslösen. Es geht darum, innere Kapazität zu schaffen, um mit Gefühlen wie Angst, Trauer, Wut und Scham gemeinsam umzugehen und zukünftigen herausfordernden emotionalen Zuständen resilienter zu begegnen. Inzwischen gibt es Kollapscafés in vielen größeren Städten.40

Bei TransParents unterstützen Coaches in einem Onlinekurs und im zugehörigen Netzwerk Eltern sich gegenseitig dabei, Elternschaft mit der Grundhaltung von Bezogenheit zu leben und dadurch Wandel in der Gesellschaft mitzugestalten. Die Gründerin Kirsten Timmer versteht Kinder als Einladung an ihre Eltern, weiterzuwachsen, weil sie an jenen Stellen Stress und Schmerz aktivieren, an denen Eltern selbst noch gefangen sind. Durch das gemeinsame darum wissen und mitfühlende Bezeugen durch andere Eltern, können alle immer präsenter und zugewandter mit den eigenen Kindern sein. Teresa Heidegger, ebenfalls Gründerin von TransParents, ergänzt:„Es geht nicht darum, dass wir unsere Kinder perfekt begleiten, sondern dass wir sie in einer Welt die wahrlich unperfekt ist, liebevoll und fürsorglich begleiten und da sind für ihren Frust, ihren Schmerz, ihre Freuden und ihre Lebendigkeit. Um wirklich „da“ sein zu können, brauchen wir oft Heilung und Ausbildung.“41 Im Gemeinschafts- und Lebensprojekt Cambium in der Südsteiermark entschieden sich Jahreszahl??? die Mehrheit der Erwachsenen gemeinsam eine Weiterbildung bei TransParent zu machen – unabhängig davon, ob sie selbst Eltern waren oder nicht. Das gemeinsame Leben mit Kindern hatte schwierige Situationen mit sich gebracht und die Gemeinschaft wollte sich darauf ausrichten mit den Kindern in Bezogenheit am Platz zu leben und sich dabei unterstützen zu lassen.

Artabana ist eine gemeinschaftsgetragene Unterstützungseinrichtung im Gesundheitswesen. Sie wurde 1987 in der Schweiz initiiert und seit 1999 gibt es sie auch in Deutschland. In Lokalgruppen kommen fünf bis dreißig Menschen regelmäßig zusammen und sprechen über gesunde Lebensführung, Gesundheitsvorsorge und Umgang mit Krankheit. In diesen kleinen Kreisen findet Mitgefühl und Verständnis für krisenhafte Lebenssituationen statt. Gleichzeitig bezahlen alle einen individuell festgelegten Beitrag in einen Gesundheitstopf ein, aus dem alle Mitglieder bei Bedarf Gelder für ihre Gesundheitsprävention oder Krankheitsfälle entnehmen können. Dabei entscheidet die Gruppe wohlwollend über das Verhältnis von Eigenbetrag und Solidarbetrag durch die Gemeinschaft – ausgehend von den finanziellen Möglichkeiten der jeweiligen Person. Über die Therapieform entscheidet die betroffene Person eigenständig. In einem solidarischen Modell unterstützen sich die etwa 270 Regionalgruppen in Deutschland gegenseitig und sorgen für Ausgleich bei finanzieller Überforderung einzelner Gruppen.42

Ein gelungenes Beispiel für einen ambulanten Pflegedienst, der die Bedürfnisse der pflegebedürftigen Person und Beziehungen in den Mittelpunkt stellt, ist Buurtzorg. Der niederländische Krankenpfleger Jos de Blok gründete sie 2006 mit einem kleinen Team. Heute arbeiten über 10.000 Pflegekräfte in überschaubaren, selbstorgsanisierten Teams, die sich jeweils um 50 – 60 Personen in einer Nachbarschaft kümmern.43 Buurtzorg hat die Pflege radikal vereinfacht und dadurch gleichzeitig Raum für Wesentliches geschaffen. Pflegekräfte, die von Anfang an eine Beziehung mit den zu pflegenden Menschen und ihrem Umfeld eingehen, finden mit ihnen gemeinsam heraus, was sie wirklich brauchen, um zu Hause gut versorgt zu sein. Gemeinsam bauen sie ein Beziehungsnetzwerk auf, das auch Familie, Freund*innen und Nachbarschaft miteinbezieht. Gleichzeitig wird gemeinsam versucht, so lange wie möglich die Eigenständigkeit zu erhalten. Bei Buurtzorg wird dann nur noch die Zeit der Pfleger*innen abgerechnet. Die Dokumentation und Verwaltung von einzelnen Pflegeleistungen entfällt, der bürokratische Aufwand sinkt auf ein Viertel, auch weil sich die Pflegekräfte selbst verwalten. Pflegekräfte bei Buurtzorg arbeiten mit Zeitfülle: sie nehmen sich Zeit für Gespräche, Beziehung und die ganz konkrete Pflege. Studien haben herausgefunden, dass die Klient*innen bei Buurtzorg nur halb so viel Pflegezeit in Anspruch nehmen, wie der Durchschnitt. Pflegekräfte ermutigen und unterstützen die zu Betreuenden dabei unabhängiger zu werden. Die geknüpften und gelebten Beziehungen führen nachweislich dazu, dass die Kosten, welche für Buurtzorgklient*innen im Gesundheitssystem anfallen, um 40% sinken.44 Im Gespräch können Ursachen für Unwohlsein oft direkt erkannt werden und müssen nicht bei einem Krankenhausaufenthalt herausgefunden werden. Gleichzeitig ist die Zufriedenheit der Betreuten deutlich höher, wie bei jedem anderen Pflegedienst in der Niederlande. Auch war Buurtzorg vier mal in den letzten fünf Jahren der Arbeitgeber mit der höchsten Zufriedenheit in der Belegschaft aller größeren Unternehmen in den Niederlanden.45 Mittlerweile gibt es Buurtzorg in Deutschland46 und 39 anderen Ländern und auch das Themenfeld weitet sich aus: in der Niederlande gibt es das Buurtzorgmodell nun auch für die Betreuung von Menschen mit psychischen Problemen, für die Kinder- und Jugendhilfe, sowie Haushaltshilfe.47 Oftmals gibt es keine Zeitlimitierung für die Besuche bei den Klient*innen.

Das Beginenhaus in Köln48 ist Teil der Beginenstiftung Deutschland, ein sogenanntes Beginenhaus. Dort wohnen allein lebende Frauen selbstbestimmt in Gemeinschaft. Die Häuser sind Gemeineigentum und unveräußerlich. Sie sind also dem spekulativen Immobilienmarkt entzogen und bieten langfristig bezahlbaren Wohnraum. In Kölner Beginenhaus leben 27 Frauen – 2020 war ihr Altersdurchschnitt 71 Jahre. Das Thema Sterben und Tod war so immer wieder Teil ihres Alltages. Um den Tod und alles, was er in Menschen auslöst, gemeinsam zu begegnen gründete sich eine elfköpfige, inzwischen feste Gruppe, die Teil des Gemeinschaftslebens geworden ist. Die Frauen treffen sich regelmäßig zum Austausch zu Fragen, wie: „Wie gehe ich selbst mit eigener und fremder Bedürftigkeit um? Wie mit Annehmen von Hilfe […]? Was wünsche ich mir für die verbleibenden Lebensjahre? Welche Erfahrungen habe ich mit dem Tod bisher gemacht? Welche Ängste habe ich davor? Welche Voraussetzungen braucht es für mich für ein friedvolles Sterben? Welche Aspekte hat eine spirituelle Vorsorge im engeren Sinn? Was passiert mit meiner Seele? Gibt es für mich die Vorstellung von Hinübergehen? Wohin – was kommt danach?“49 Welche Erfahrungen habe ich bisher mit dem Tod gemacht? Was brauche ich ganz persönlich für ein friedvolles Sterben? Welche spirituelle Vorsorge möchte ich treffen und wer kann mir dabei helfen? Was kommt wohl nach dem Tod?“50 Diese Gespräche, die den Tod zu einem Aspekt des Lebens machen und innere Kapazitäten weiten, um mit Ängsten gemeinsam umzugehen, müssen nicht im Rahmen von institutionalisierten Gemeinschaften wie dieser stattfinden. Wie die Einsatzleitung eines ambulanten Kinderhospizdienstes im Interview deutlich macht, ist „endlich leben“ eine fürsorgliche Haltung und Praxis, die in vielen Beziehungsgeflechten möglich ist.

Nach dem Tod einer Person ist es an den Hinterbliebenen, ob sie eine Form des Abschieds finden, der Bezogenheit und Fürsorge zwischen der Verstorbenen Person, den Trauernden und der Erde herstellt oder erneuert. Eine Möglichkeit, durch das eigene Sterben der Erde etwas zurückzugeben ist die Bestattungsform Kompostieren – die Reerdigung. Ist ein Mensch gestorben, wird er gemeinsam mit pflanzlichen Materialien in einen geschlossenen Kokon gegeben. Innerhalb von 40 Tagen verwandelt sich der Leichnam mit Hilfe natürlicher Mikroorganismen, die bereits in Körper und Pflanzen enthalten sind, in Humus. Die nährstoffreiche Erde kann nun anderen Lebewesen als Zuhause oder Nährboden dienen. Die Atome der Verstorbenen gehen über in andere Wesensformen und werden eine zeitlang deren Atome, bevor die weiterziehen.51 Die Reerdigung erinnert mich an den Philosophen Andreas Weber, der davon spricht, dass wir alle füreinander „essbar sind“.52 Mir bleibt das Bild eines riesigen Verdauungsprozesses, in welchem wir uns miteinander befinden – als Ausdruck von gegenseitigem Nähren und Bezogenheit.

Klassische Beerdigungsrituale versammeln dann die Hinterblieben zuerst am Grab, um den Leichnam der Erde zurückzugeben, später werden beim sogenannten „Leichenschmaus“ die Beziehungen unter den Trauernden erneuert. Ob dabei wirklich aufeinander bezogene Fürsorge stattfindet, ist wahrscheinlich eher eine Frage der Haltung, als der Form. Ein berührendes Beispiel habe ich auf der Bestattung unserer Freundin Silke Helfrich erlebt. An einem freien Platz im Friedwald stellten wir Trauernden uns alle im Kreis auf und blickten uns nacheinander an, um wahrzunehmen wer wir denn alle sind, die hier unsere Freundin verabschieden. Anschließend gab es etwa eine Stunde Zeit, in der Menschen in die Mitte gehen konnten und von einer Begegnung mit unserer Freundin erzählen konnten. Die Situation konnte, schön, traurig, lustig, schmerzhaft und auch schrullig sein. Menschen sangen Lieder, die unsere Freundin geliebt hatte. Da sie lange in Lateinamerika gelebt hatte, schlug eine Person aus dieser Lebensphase vor, einen dortigen Brauch zu übernehmen und der Verstorbenen für all das, was sie war und in die Welt gebracht hatte, zu applaudieren. Eine Person dankte den Kindern unserer Freundin, dass sie sie mit uns in der gemeinsamen politischen Arbeit geteilt hatten und so auch oft entbehren mussten. Ich selbst habe bei diesem Ritual erlebt, wie wir aufeinander und auf unsere Freundin bezogen gemeinsam mit der Trauer umgingen, füreinander da waren um diese gemeinsam ein kleines Stück weiter zu verdauen.

All diese bereits geliebten und gelebten Strukturen, die Fürsorge in Bezogenheit in den Mittelpunkt und vor Profitlogik und anderen Trennungsmechanismen verteidigen, sind nur eine Auswahl. Sie sind nicht die Lösung, sondern viele angepasste Lösungen. Menschen haben sie an jenen Orten auf den Weg gebracht, wo sie einen Mangel an Mitgefühl, Fürsorge und Wärme wahrgenommen haben. Stellen, wo in ihnen ein „Nein! Das ist nicht richtig!“ aufgetaucht ist oder ein „Stopp! Das lasse ich mir nicht nehmen!“ oder ein „Das fühlt sich gut an, da bin ich dabei!“ Sie haben an ihren Orten unbefriedigte Bedürfnisse wahrgenommen und mit einer Haltung der Bezogenheit einen anderen Weg gewählt und sind Fürsorge an dieser einen Stelle als Leitstern gefolgt. Viele Probleme, die ich im ersten Teil des Textes aufgereiht habe, sind dadurch weiter weg gerückt. Vielleicht wird es doch Zeit für die Entrümpelungsaktion, meine Nachbarschaft ist sicher ein guter Ausgangsort.

1 https://www.pflegenot-deutschland.de/ (17.4.2024).

2 https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/pay-gap-soziale-berufe-teilzeit-frauen-lohnluecke-verdienst-100.html (17.4.2024).

3 Frederick Taylor propagierte mit seinem Scientific Management die Aufgliederung eines kompletten Arbeitsprozesses in kürzeste und monoton-repetitive Ablaufabschnitte. Nachdem alle „unnötigen Handgriffe“ aus dem Gesamtablauf eliminiert wurden, bekam jede Arbeiter*in Einzeloperationen zugewiesen, welche sie in höchstmöglicher Geschwindigkeit auszuführen hatte. Bei einer Steigerung der Löhne von etwa 60% waren die Arbeiter*innen anfänglich nicht abgeneigt von der neuen Arbeitsteilung. Die Entfremdung der Tätigen von ihrem Tätig-sein und die Tatsache, dass durchschnittlich eine 370% Leistungssteigerung mit der Umstrukturierung einher ging, wurde erst später als intensivierte Verwertung der Arbeiter*innen und weitere Abtrennung kritisiert. Quelle: Robert Kurz: Schwarzbuch Kapitalismus. Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft. 1. – 4. Auflage, Ullstein-TB 36308, München / Berlin 2001–2005. Mit dem Taylorismus wird heute die Stechuhr und zeitliche Begrenzung einzelner Tätigkeiten und die extreme Arbeitsteilung verbunden.

4Schwarz“ bezeichnet ebenso wie „Weiß“ eine soziale Konstruktion und keine reelle Hautfarbe oder biologische Eigenschaft. Schwarz-Sein ist ein gesellschaftliche Konstruktion und keine reelle Eigenschaft. Es handelt sich um Menschen, die eine Rassismuserfahrung teilen.

5 Eigene Befragung im Krankenhaus. April 2024.

6 Hier danke ich Doro Gebele für den stetigen Austausch zu diesen Themen seit vielen Jahren und die Einblicke in ihren Pflegealltag.

7 Adelheid Biesecker, Diane Elson, Alicia Girón González, Friederike Habermann, Gabriele Winker und andere gehören zu jenen feministischen Wissenschaftler*innen, die die Mainstream-Wirtschaftswissenschaften für ihr Missachten von (für-)sorgenden Tätigkeiten kritisieren und diesem etwas entgegensetzen.

8 Fürsorge im privaten Bereich werden nicht subventioniert, jedoch wurden bspw. 2022 für Krankheit 395 Mrd. Euro, für Kinder 125 Mrd. Euro und für Alter 349 Mrd. Euro ausgegeben. https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61890/sozialbudget/ (4.5.2024).

9 Hier sei auch darauf hingewiesen, dass es Staaten gibt, die Fürsorgeeinrichtungen komplett aus der Profitorientierung nehmen. Beispielsweise waren im Verwaltungssozialismus in Jugoslawien Pflege- und Bildungseinrichtungen nicht über den Markt organisiert. Quelle GINA. Auch in Deutschland wird die Vergesellschaftung von Bereichen, wo menschliche Bedürfnisse im Zentrum stehen gefordert. Zum Beispiel https://care-revolution.org/ (6.5.2024).

10 https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/aufwertung-sozialer-berufe/soziale-berufe-interessant-fuer-frauen-und-maenner-181446 (17.4.2024).

11 https://www.svr-migration.de/wp-content/uploads/2022/10/SVR_Factsheet_Jahresgutachten_2022.pdf (17.4.2024).

12Weiße Menschen befinden sich in einer privilegierten Position innerhalb des Machtverhältnisses Rassismus. „Weiß“ bezeichnet ebenso wie „Schwarz“ eine soziale Konstruktion und keine reelle Hautfarbe oder biologische Eigenschaft.

13Holtermann, Daniel & Hahne, Alexander: Männlichkeiten (ver)lernen. Anleitung zur Selbstverantwortung.

14Im Podcast „White Fragility“ zeigt Dr. Robin DeAngelo auf, wie bereits die ersten Eindrücke im Krankenhaus Neugeborenen vermitteln, welche Personen mit welcher Hautfarbe an welchen Stellen in der Machthierarchie stehen. https://open.spotify.com/episode/3zyFPmLEgYlnXERgIFRbIW?si=ZpEhR0VLSYirOUklU3c-CA (1.3.2025).

15Um diesem hegemonialen Männlichkeitsideal näher zu kommen, müssen männlich sozialisierte Personen fürsorgende und mitfühlende Anteile tendenziell abspalten. Die Trennung findet also auch im Innenraum statt.

16Gespräch mit Architekt Nikolas Kichler, 1.Mäez 2025.

17Vergl. Vortrag von Andreas Weber „Sein durch Teilen“. https://www.youtube.com/watch?v=Jmi_XH8TBy8 (7.2.2025).

18 Ich möchte Tätigkeiten an Maschinen nicht abwerten. Und doch ist leichter sich dabei abzugrenzen, nur das zu tun, was im äquivalenten Tausch – Geld gegen Arbeitszeit – ausgemacht ist.

19Hannah Arendt: Arbeit macht unser Wesen aus. GINA

20 Diese Redewendung lehnt sich an: https://kurzelinks.de/cyu3 (4.5.2024).

21 Die Initiative Equal Care stetzt sich innerhalb der Systemlogik für eine Anerkennung, finanzielle Wertschätzung und faire Verteilung von Caretätigkeiten ein. https://equalcareday.org/manifest/ (26.7.2024).

22 https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/02/PD24_073_63991.html (5.5.2024).

23 Studien, wie jene von Heike Wagner zeigen am Beispiel Spaniens, wie die gleichzeitige Lohnarbeit von Frauen* und Männern* eine Verlagerung der häuslichen Sorgetätigkeiten auf Migrant*innen aus Lateinamerika nach sich zog. Diese wiederum übergeben die Sorgetätigkeiten für ihre eigenen Familien ihren Müttern, um migrieren zu können und die Familie von Spanien aus zu ernähren. Struktureller Rassismus löste hier – teilweise – strukturellen Sexismus ab – die wenig verwertbare Sorgetätigkeit wird schlicht innerhalb von Diskriminierungsstrukturen nach „unten“ durchgereicht. Heike Wagner 2010: Dasein für Andere – Dasein als Andere in Europa. Ecuadorianische Hausarbeiterinnen in Privathaushalten und katholischen Gemeinden Madrids. VS Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden.

24Fürsorge allgemein und auch emotionale Fürsorge gehen einher mit einem hohen Anteil an Organisationsarbeit, mit mental load. Auch dieser ist Studien zu folge ungleich verteilt und wird vorwiegend von Frauen* geleistet. Es wird davon ausgegangen, dass dieser Karrieren von Frauen* verhindert, weil sie bereits eine hohe Grundbelastung mitbringen. Vergl. https://www.bcg.com/publications/2019/lightening-mental-load-holds-women-back (13.2.2025). Wer dies besser verstehen möchte, dem sei dieser Comic von Emma empfohlen: https://krautreporter.de/geschlecht-und-gerechtigkeit/1983-du-hattest-doch-bloss-fragen-mussen (13.2.2025).

25 bell hooks (2022) beschreibt in ihrem Buch „Männer, Männlichkeit und Liebe“ den Zusammenhang zwischen mangelnder Fähigkeit zu Mitgefühl und Patriarchat. Vor allem männlich sozialisierte Personen lernen im Patriarchat, dass sie dem männlichen Rollenbild mehr entsprechen, wenn sie nicht fühlen. Da Kinder jedoch gleichermaßen fühlen, jenseits ihres biologischen Geschlechts, lernen männlich sozialisierte Personen sie im Laufe ihrer Kindheit „hinunter zu schlucken, sie zu vergessen, zu hoffen, dass sie vergehen“ (S.22). Dieser Prozess, der dem Patriarchat und seinen transportierten Rollenbildern inhärent ist, tut Menschen Gewalt an. Jenen, die sich ihre Gefühle abtrainieren und jenen, die ein mitfühlendes Gegenüber vermissen – oft trifft auf eine Person beides gleichzeitig zu.

26 Ein nicht belegtes Experiment von Friedrich II. Soll gezeigt haben, dass Babys, die keine emotionale Fürsorge erhalten, sterben. Zumindest scheint belegt, dass Babys mit geringer emotionaler Zuwendung in ihrer Entwicklung gegenüber anderen Kindern zurückbleiben. https://www.nzz.ch/folio/dieser-versuch-macht-sprachlos-ld.1621730 (6.5.2024).

27Zu Bezogenheit zwischen Mensch und mehr-als-menschlicher Natur siehe Kapitel ???

28Wir leben nie nur mit einer Ontologie. Vielmehr konkurrieren mehrere miteinander. Die Weltsicht, die unsere familiäre Sphäre strukturiert, muss nicht dieselbe sein wie jene, auf deren Grundlage wir in der geldlogischen Sphäre agieren. Das ist ein Grund unter mehreren, warum wir Menschen manchmal sowohl als liebevoll und fürsorglich und in einem anderen Kontext als kalt und kalkulierend erleben können.

29Kinder werden geboren und es ist für sie zuerst selbstverständlich, dass sie umsorgt werden. Sie sind darauf angewiesen und kennen keinen äquivalenten Tausch. Wenn alles gut geht, gehen sie zuerst mal davon aus, dass ihnen Fürsorge zusteht. Erst später lernen wir, dass wir von vielem grundsätzlich ausgeschlossen sind, außer wenn wir dafür bezahlen.

30 Stefan Meretz und Simon Sutterlütti haben mit Wissenschaftler*innen im Rahmen eines großen Forschungsprojektes solch eine Gesellschaft simuliert. https://nach-dem-geld.de/ (26.7.2024).

31 Medico international (2017): Venezuela: im Konsens. https://www.medico.de/im-konsens-16802/ (26.7.2024).

32 Cecosesola (2021): Eine andere mögliche Welt. https://netz-bb.netz.coop/fileadmin/user_upload/2021-Broschuere-Cecosesola.pdf (26.7.2024), S.2.

33 Silke Helfrich (2015): Venezuela: Wir sind ein großes Gespräch. https://www.boell.de/de/2015/11/02/wir-sind-ein-grosses-gespraech (26.7.2024).

34 Silke Helfrich (2015): Venezuela: Wir sind ein großes Gespräch. https://www.boell.de/de/2015/11/02/wir-sind-ein-grosses-gespraech (26.7.2024).

35 https://rightlivelihood.org/the-change-makers/find-a-laureate/cecosesola/ (26.7.2024).

36 Silke Helfrich & David Bollier: Commons: Cecosesola – oder wie man den Markt ignoriert. https://www.boell.de/de/2022/09/29/commons-cecosesola-oder-wie-man-den-markt-ignoriert (26.7.2024).

37 Cecosesola (2021): Eine andere mögliche Welt. https://netz-bb.netz.coop/fileadmin/user_upload/2021-Broschuere-Cecosesola.pdf (26.7.2024), S. 25.

38Amadors Geschichte ist nachzulesen: Kooperative Cecosesola (2024): Und wenn es dann ans Altwerden geht… In: Contraste: Zeitung für Selbstorganisation (2024), Nr. 474, S. 9. oder https://www.contraste.org/wp-content/archiv/2024_03_Nr.%20474.pdf (1.3.2025).

39https://www.youtube.com/watch?v=MDGTlGjEc1s (13.2.2025).

40https://www.klimakollaps.org/angebote/klimakollaps-cafe (1.3.2025), https://www.klima-kollaps-kommunikation.de/ (1.3.2025) und Tadzio Müller (2024): Zwischen friedlicher Sabotage und Kollaps. Wie ich lernte die Zukunft wieder zu lieben. Wien.

41https://transparents.net/ueber-uns/ (1.3.2025).

42https://www.transcript-open.de/pdf_chapter/bis%202999/9783839428351/9783839428351-043.pdf (2.3.2025) und https://artabana.de/ (2.3.2025).

43 Helfrich, Silke & Bollier, David (2019): Frei, fair und lebendig. Die Macht der Commons. Bielefeld, S. 23.

44 Gray, Bradford et al (2015): Home Care by Self-Governung Nursing Teams: The Netherlands‘ Buurtzorg Model. https://www.commonwealthfund.org/publications/case-study/2015/may/home-care-self-governing-nursing-teams-netherlands-buurtzorg-model?redirect_source=/publications/case-studies/2015/may/home-care-nursing-teams-netherlands (26.7.2024).

45 www.buurtzorg.com (26.7.2024).

46https://buurtzorg-deutschland.de/ (1.5.2025).

47 https://www.buurtzorg.com/innovation/ (26.7.2024).

48Beginenhof Köln: https://beginenhof-koeln.de/ (1.3.2025) als Teil der Beginenstiftung https://beginenstiftung.de/ (1.3.2025).

49Diese Frage ist hilfreich in allen Nachbeziehungen gemeinsam zu besprechen. Wenn wir die Wünsche voneinander kennen, sind wir in der Lage in den entscheidenden Momenten gute Entscheidungen zu fällen. Das Audio von Doro zeigt eindrücklich, wie verbindend dies sein kann, wenn die Entscheidungen über lebenserhaltende Maßnahmen oder nicht gemeinsam getragen werden.

50Ursula Fröhlich (2024): Frauengemeinschaft kümmert sich um ein würdiges Lebensende. In: Contraste: Zeittun für Selbstorganisation (2024), Nr. 474, S. 12. oder https://www.contraste.org/wp-content/archiv/2024_03_Nr.%20474.pdf (1.3.2025).

51https://www.deutschlandfunk.de/oekologische-beerdigung-kompostieren-als-bestattungsmethode-100.html (1.3.2025).

52Andreas Weber (2023): Essbar sein – Versuch einer biologischen Mystik. Klein Jasedow.